Wiener Schmäh in Rudolstadt

Songposium 2026 / Theater im Stadthaus, Rudolstadt, 3.7.2026

2. August 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

folker präsentiert: Rudolstadt-Festival 2026
Dieter Beckerts Songposium gilt als Klassiker des Rudolstadt-Festivals und fand nun bereits zum fünfzehnten Mal statt. Vor Beginn unterhielt wie gewohnt die Rostocker Gruppe Melodealer vor dem Stadthaus die wartenden Interessierten mit witzigen und makabren Songs. Vordergründig widmete sich das Songposium dann dem Wiener Volks- und Spottlied „O du lieber Augustin“, wurde aber angesichts des Festivalschwerpunktes ergänzt durch die generell besondere Liedkultur Österreichs
Text: Reinhard „Pfeffi“ Ständer; Fotos: Anne Levin

Dazu hatte sich Ex-Duo-Sonnenschirm-Mitglied Beckert, der fast ein ganzes Jahr an der Vorbereitung gearbeitet hatte, als Gäste eingeladen: den Kapellmeister und Pianisten Thomas Voigt vom Schiller-Theater Rudolstadt als Stammgast, den Sänger und Bassgitarristen Georg Kostron vom Wiener Trio A Schwoazzes Gebiss mit Fedro Heger an der Gitarre und Elias Engler an den Drums, dazu Michael Vereno vom Trio Winkeltanz, einen promovierten Sprachwissenschaftler aus Salzburg, der mit Sackpfeife – genauer gesagt Bockspfeife – auftrat und zahlreiche Hintergrundinformationen lieferte.

Dieter Beckert

Die Legende von Marx (Markus) Augustin sei kurz erläutert: Der Straßenmusikant und Sackpfeifer soll um 1679, als in Wien die Pest wütete, volltrunken am Straßenrand geschlafen haben, sodass Siechknechte ihn irrtümlich in eine Pestgrube warfen. Nach dem Rausch kletterte er aber wieder heraus. Hundert Jahre später tauchte das Walzerlied auf, in dem es heißt: „Geld ist hin, Mädl ist hin, … Rock ist weg, Stock ist weg, … O du lieber Augustin, alles ist hin.“ Weiter außerdem Dieter Beckert: „Musik und Alkohol ergänzen sich ohnehin prächtig, dazu ein nicht unterzukriegender, möglichst schwarzer Humor, und fertig ist der Humus für den Evergreen vom lieben Augustin.“

Von dem es übrigens mehrere Textvarianten gibt. Im 18. und 19. Jahrhundert stieg die Bekanntheit durch Romane, Operetten, Musicals, Zeitungen, Postkarten, später auch Filme. Augustin wurde Teil des „Wiener Schmäh“, jene charakteristische wienerische Art des Humors und der Kommunikation, die als typisch österreichische, charmante Grundhaltung wahrgenommen wird.

Georg Kostron und A schwoazzes Gebiss

Als typisch wienerisch gilt aber auch ein morbider schwarzer Humor. Davon bot das Songposium einige markante Beispiele, allen voran Georg Kreislers „Als der Zirkus in Flammen stand“, in dem Kreisler das Chaos und die Absurdität des menschlichen Lebens und Leidens in einem Zirkus darstellt und damit die Gleichgültigkeit der Gesellschaft kritisiert. Kostron präsentierte unter großem Beifall ein dadaistisches Lautgedicht des Dichters Ernst Jandl mit militärischen Tönen. Es wurde Bezug genommen auf H. C. Artmann, einen weiteren Wiener Dichter und Romanschriftsteller, der dem Genre des Dialektgedichts zum Durchbruch verhalf. Artmanns Werke sind geprägt vom Surrealismus und einem vom Dadaismus beeinflussten Spiel mit der Sprache.

Songposium 2026

Es folgte das „Krüppellied“ von Helmut Qualtinger und André Heller, ein weiteres Beispiel des beklemmenden Wiener Humors: „Wenn ich so einen Krüppel seh’, wird mir ums goldne Wienerherz recht warm und weh.“ Abwechslung ganz anderer Art bot danach das von Liederjan bekannte Mitsinglied „Wir sind vom Idiotenclub“. Nach einer Moritat von Beckert schloss sich eine weitere an: die „Moritat vom Hochwasser 1862“, vorgetragen von Michael Vereno, der auf der Sackpfeife auch „Wenn die Bettelleute tanzen“ intonierte.

Alle Beteiligten

Insgesamt fiel auf, dass es wohl die rockig-punkigste Veranstaltung in fünfzehn Jahren Songposium war, was vor allem der Band A Schwoazzes Gebiss zu verdanken war. Am Ende sang das ganze Publikum als gemeinsames Schlusslied „O du lieber Augustin“ – gespannt, welches Thema Herr Beckert 2027 auf die Bühne bringen wird.

www.rudolstadt-festival.de

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Aufmacher:
Michael Vereno

Foto: Anne Levin

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